Oskar Bider hat in der Geschichte der Schweizer Luftfahrt Marksteine gesetzt. Als der junge Kavallerist Oskar Bider im Herbst 1910 vom tragischen Ende des Peruaners Geo Chavez vernahm, der nach erfolgreichem Überfliegen des 2000 m hohen Simplonpasses in Domodossola aus den Trümmern seines Flugapparates geborgen wurde und darauf verstarb, beschloss Bider, Flieger zu werden. Jedoch behielt er diesen kühnen Plan für sich.

Er verbrachte ein Jahr auf einer Farm in Argentinien, von wo er einem Freund in der Heimat schrieb: „Wenn ich nicht Flieger werden kann, muss Argentinien meine zweite Heimat werden“.

Er kam zurück und wurde Flieger, und zwar der bedeutendste seiner Zeit.

Über Bider sind Bücher geschrieben und Zeitungsartikel veröffentlicht worden. Sie befassen sich hauptsächlich mit dem “Aviatiker” Bider.

 

Jugendzeit

1891: 12. Juli, geboren in Langenbruck – Geburtshaus heutige Dependance des Restaurants «Ochsen»

1898/1906: Primarschule Langenbruck und Bezirksschule Waldenburg – Bider lernte dort Kurt Straumann (1889–1923), loyaler Wander- Ski- u. Bergsteiger-Kollege, kennen – danach Praktikant auf Bauernhöfen u.a. im Jura

1907/1908: Welschlandjahr auf Landwirtschaftsbetrieb in Crassier sur Nyon

1908/1909: Winterkurs auf der kantonalen landwirtschaftlichen Schule Waldhof/Langenthal BE

1909: im Sommer Kurs an der Handelsschule in Basel

1909/1910: Winterkurs auf der kantonalen landwirtschaftlichen Schule Rütti/Zolikofen BE

1910: ab Sommer bis Neujahr 1911 landwirtschaftlicher Praktikant bei Götti Carl Flubacher-Dettwiler (1847–1919), Wirt u. Bauer im Bad Bubendorf BL

1911: Anfang Januar bis Frühling Kavallerierekrutenschule Zürich (Ausbildung zum Guiden-Soldat)1
15. Mai Abreise ab Liestal via Dakar nach Buenos Aires und Aufenthalt auf einer Farm der Familie Huber-Berli in Romang, Provinz Santa Fé, Argentinien

1912:
Ende Februar/Anfang März Rückkehr aus Argentinien nach Basel

11. April Bider holt seine Schgwester Leny wegen befürchteten Verhaltensproblemen vorzeitig aus dem Lausanner Mädchenpensionat zu ihren Vormundeltern Max Albert u. Martha Glur-Forster in Liestal zurück

Bis in den Herbst Aufenthalt Biders auf einem Bauernhof in Münsterlingen TG.

 

Pionier-Aviatik bis 1914

1912:
8. November Eintritt in die französische Fliegerschule von Dir. Sallenave, 10 km von Pau entfernt – Bider wohnt an der Rue Bordeaux 23 in Pau

8. Dezember Erwerb des internationalen u. schweizerischen Fliegerbrevets Nr. 32

30. Dezember Erwerb des französischen Fliegerbrevets Nr. 1194

1913:
24. Januar, 06’45h Start zum Flug über die Pyrenäen nach Madrid – in den Wochen danach u.a. Schaufliegen bei Madrid (auf privatem Blériot, 70 PS Gnôme-Motor)
Anfang März Ankunft aus Pau per Bahn in Basel mit Mechaniker Hugo Saniez

9./10. März Teilnahme an den Nationalen Flugspendetagen in Basel (Biders erste Flüge in der Schweiz) und erster Luftpostflug Basel–Liestal

11. März Biders erster Flug über den Jura nach Bern – mit Passagier und Bruder Georges Alphons «Schorsch» Bider (1890–1946) und künftiger Standort Blériot in der Ballonhalle/Beundenfeld
ab 12. März Wohnsitznahme Biders bei der Familie des Cousins Paul Cardinaux-Gerster (1876–1957) an der Alpenstrasse 9 in Bern (bis August 1914)

12. März Flug Bern–Thun mit Cousin und Kunstmaler Emil Cardinaux 1877–1936)
danach touristische Flüge ab Bern/Beundenfeld täglich ab 8 Uhr und ab 15 Uhr – pro Flug 100 Franken (Vorbestellungen im Verkehrsbüro der Stadt Bern)

29./30. März Berner Nationale Flugspendetage mit Postflug nach Burgdorf und zurück (Abstecher ab Burgdorf nach Langenthal und zurück)

6. April Teilnahme an Aarauer Nationalem Flugspendetag mit Postflug nach Lenzburg,
kurz darauf Auswechseln des Gnôme-Motors von 70 PS an Blériot-Apparat mit neuem von 80 PS-Aggregat

9. April auf dem Gurten erste Aussenlandung mit Passagier und Cousin Emil Cardinaux

25. April Flug mit Hugo Saniez als Passagier nach Liestal und Teilnahme an den Liestaler Flugtagen vom 27./29. April (u.a. Postflug nach Rheinfelden)

29. April Aussenlandung auf Krähegg/Langenbruck mit Schwester Leny als Passagierin – danach Weiterflug nach Bern mit Mechaniker Hugo Saniez

13. Mai so gen. «Kleiner Alpenflug» ab Bern nach Sitten zu den Nationalen Flugspendetagen vom 17./18. Mai

19. Mai Blériot-Flüge auf La Blécherette bei Lausanne

14./15. Juni Flugtage auf La Blécherette bei Lausanne

16. Juni Flug von Lausanne nach Morges mit Divisionär L.-H. Bornand (1862–1919) als Passagier (späterer KKdt)

13. Juli «Grosser Alpenflug» nach Mailand – via Domodossola (230 km in 4h45min.)

26. Juli Rückflug von Mailand via Lukmanier, Basel nach Bern – 17’30h ab Basel mit Passagier und Bruder «Schorsch» Bider

11. August Aussenlandung ab Bern auf Gurnigel und zurück nach Bern

28. August Passagierflug Thun-Bern mit Oberst u. KKdt. Alfred Audéoud (1853–1917) – Vizepräsident des Aeroklubs Schweiz u. späterer Gründer der Militäraviatik

10. September frühmorgendlicher, glimpflich verlaufener Absturz auf Blériot bei Kirchlindach, Ursache ein Gewittersturm (Passagier Hptm. Real, 1881–1971) – Bider nahm in jener Woche als Guidensoldat auf Blériot an den Herbstmanövern der 2. Division teil und beklagte Totalverlust seines Flugapparats; im nachfolgenden Oktober-WK wurde Bider zum Wachtmeister befördert

16. Oktober Bider reiste nach Berlin/Johannisthal, um sich ein Bild des deutschen Flugapparats LVG/Rumpler-«Taube» zu machen – dafür wurde er in der Romandie deutlich kritisiert

25. November Rückkehr per Bahn aus Berlin nach zahlreichen Testflügen auf «Taube»-Monoplan und «LVG.-Schneider»-Doppeldecker (Bider bestellte darauf zur Beruhigung der Romandie in Paris wieder einen Blériot-Apparat)

3. Dezember offizielle Reise der technischen Kommission des Bundes nach Wien (die Obersten Audéoud, Müller u. von Wattenwyl, Major Genietruppen Hilfiker, Wachtmeister Bider) – Prüfung Flugapparate «Lohner-Pfeil» und «Etrich-Taube» durch Bider, dieser jedoch nur als Passagier

10. Dezember Rückkehr der technischen Kommission des Bundes aus Wien – via München (dort Prüfung des «Otto»-Apparats)

15. Dezember Abreise der technischen Kommission des Bundes nach Paris und Einladung am 19. Dez. aufs Flugfeld der Farman-Werke bei Buc/Paris gemeinsam mit den Aviatik-Kommissionen aus Holland und England

25. Dezember Bider flog nach dem Besuch der technischen Kommission des Bundes in Paris auf seinem neuen Blériot-Apparat direkt nach Bern zurück (460 km in 4h20min.) – die Kommission reiste vor Ende Dezember per Bahn nach Bern zurück.

1914:
20. Februar Flug mit Attilio Maffei (1878–1931) auf Morane-Saulnier und Bider als Passagier von «La Blécherette»/Lausanne nach Bern

März Wachtmeister Bider in der Uof.-Schule in Bern (Ausbildung zum Korporal)

22. April mit Passagier Hans Kempf Schweizerischer Höhenrekord auf Morane-Saulnier («Hélène») via Jungfraujoch – Überflug bei 4180 müM. (3620 m ab Niveau Beunden­feld/Bern), Landung auf Brigerberg nach 2h45min (dort leichte Bruchlandung)

im Mai Eintritt in die Offiziersschule (Bern?)

15. Juli Passagierflug mit Cardinaux-Cousin auf «Aviatik»-Apparat ab Mülhausen nach Bern – ab 1912 bis Anfang August

1914 insgesamt über 1000 registrierte Flüge in Biders Bordbuch.

 

Militärviatik ab 1914

Wegen Geheimhaltung gelangten ab Kriegsbeginn 1914 kaum mehr Berichte über Bider in die Presse.

1915: 
3. August Einrücken als Korporal auf Beundenfeld/Bern mit Blériot zur Mobilmachung der Schweizer Luftwaffe
kurze Zeit später Beförderung zum Adj.-Uof.
1. Januar nachträglich Beförderung zum Leutnant befördert
4. Juni Geschwaderbesuch aus Dübendorf in Aarau auf «Aviatik»-Apparaten unter Leitung von Bider: Pilotenkollegen Reynold, Lüthi, Pillichody, Vollenweider und Probst, auf Rückflug tödlicher Absturz von Vollenweider u. Probst.

1916:
4. September Lt. Bider und Kollegen Oblt. Kihm, Oblt. Ramp und Lt. Simonius erhielten in Dübendorf einige Tage Zimmerarrest wegen Kneipens bis 3 Uhr in der Früh (Dauer der Strafe nicht angegeben)

16. Dezember Lt. Bider rollte auf seiner Schulmaschine in den Dübendorfer «Chräbsschüsselibach» – Propeller und Flügel sind defekt.

1917:
18. März Lt. Bider leitete den ersten Geschwader-Überlandflug von Dübendorf mit allen 14 Apparaten (Haefeli DH-1 u. Wild WT) nach «La Blécherette»/Lausanne (190 km) – der Pilot im 14. Apparat muss jedoch wegen technischer Probleme über Bern wenden

30. März Lt. Bider wurde in Anerkennung seiner grossen Leistungen vorzeitig zum Oberleutnant befördert.

1918:
Arbeiterunruhen in Zürich begannen im Februar – die Dübendorfer Piloten-Offiziere gerieten im Ausgang in der Stadt wiederholt in ziemliche Bedrängnis

11. Juli Oblt. Bider musste bei Wiedikon (Zürich) notlanden; im Oktober über 60 Grippeerkrankte in Dübendorfer Truppe – Bider blieb verschont.

1919:
19.–26. April 1919 Oblt. Bider leitete als Geschwader-Kommandant den zweiten Überlandflug aller Militärmaschinen ab Dübendorf nach Lausanne «La Blécherette» und weiter nach Genf «St. George» und zurück

14. Mai Oblt. Bider pilotierte mit Kameramann Oblt. Brunner einen Dokumentarfilm-Flug via Thun zum Matterhorn – auf ca. 4500 müM. Motorüberhitzung und danach erfolgreicher Gleitflug nach Sitten (7 Min. Archiv-Filmfragment Dübendorf–Thun bei Cinémathèque Suisse, Penthaz VD)

26. Juni Oblt. Bider flog mit Dr. Th. Gubler der Basler Nachrichten ab Basel/St. Jakobswiese um die Schweiz (1000 km in 7h28min) – bis zum 1. Juli flog Bider insgesamt 4249 registrierte Militärflüge
Anfang Juli verfasste Oblt. Bider gemeinsam mit Oblt. Rihner eine Gründungsurkunde für die «Gesellschaft für Lufttourismus – Ad Astra» (mit Wasserflugzeugen) samt Subscriptionsliste (Beiträge vorerst à fonds perdu – Bider als Erstunterzeichnender)

6. Juli – Sonntagnachmittag – Passagierflug ab Dübendorf zur Rigi und zurück mit Cousin Gustav Cardinaux (1883–1965) aus Bern – ob Bider in Zivil oder in Uniform flog bleibt ungeklärt

6. Juli – Abends – Kameradentreffen im engeren Rahmen, Auftakt im Hotel «Elite» in Zürich und danach Verschiebung ins «Carlton» im Hotel Bellevue-au-Lac

7. Juli um 6h30 in der Früh, nach durchfeierter Nacht, Akrobatikflug Biders in Uniform und auf Nieuport 23C-1, Nr. 604 – in der Folge Todessturz (vgl. Augenzeugenbericht Jakob Spalinger vom selben Tag)

10. Juli Begräbnis in Langenbruck BL

18. Juli der spanische König Alfons XIII (1886–1941) liess einen Blumenkranz auf das Grab in Langenbruck der beiden Geschwister Bider legen.

 

Benutzte Quellen (mit Vorbehalt – im Einzelnen Überprüfungsbedarf):

  • Zeitgenössische Tages- und Wochenpresse, u.a.
    «Intelligenzblatt der Stadt Bern»,
    «Gazette de Lausanne et Journal Suisse»,
    «La Suisse Sportive»,
    «Schweizerische Illustrierte Zeitung»,
    «Schweizer Familie» (Nationalbibliothek Bern);
  • Walter O., 1938: «Bider der Flieger», 352 S. einschl. Fotoanhang, Verlag O. Walter AG, Olten.
  • Tilgenkamp E, 1941/42: «Schweizer Luftfahrt», Bd. 2, 424 S., Aero-Verlag, Zürich.
  • Bundesarchiv Bern, Archivdokumente unter Bestand E27/14109 (vgl. Bd. Nr. 1352; Tagebücher 1914–1918 der Fliegerabteilung).
  • Verkehrshaus der Schweiz in Luzern, Archivdokumente zu Bider (vgl. Reg.-Nr. VA-47452.02/Pioniere und VA-47453/Sammlung Forster-Labhardt).